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Corona eine Chance?

Ich möchte ein paar Gedanken zur aktuellen Situation mit euch teilen…

Ich glaube die „Krise“ in der wir gerade sind ist auch eine große Chance… eine Chance ganz zur Ruhe zu kommen, zurück zu uns zu kommen, der Natur und uns selbst eine Pause zu gönnen… sozusagen eine Zwangspause! Und ich glaube, diese war dringend nötig! Für Jeden von uns! 

Wir waren so vertieft in unseren Alltag, in unsere Routinen und Gewohnheiten, dass wir gar nicht mehr anders handeln konnten… dies wurde z.B deutlich als es um die Klimakrise ging, viele wollten sogar die Erde schützen und etwas verändern aber konnten es einfach nicht. 

Warum? Weil unser Gehirn in Gewohnheiten denkt. Die neuronale Netzwerke die auch sonst immer feuern, funktionieren schneller und besser als andere… wenn wir nun vor einer Entscheidung stehen, werden genau diese neuronalen Verbindungen aktiviert und wir fallen ins alte Muster zurück… weil es für unser Gehirn einfacher ist. Normalerweise sind diese Automatismen Lebensnotwendig, sie erleichtern uns den Alltag und machen uns funktionsfähig. Stellt euch nur mal vor ihr müsstet beim Autofahren jeden einzelnen Schritt bewusst ausüben… ihr könntet ja gar nicht mehr auf die Straße achten. Aber genauso wie das Autofahren werden Gewohnheiten abgespeichert, vor allem wenn wir diese über Jahre hinweg ausgeübt haben. Stehen wir nun vor einer neuen Wahl muss man bewusste Willenskraft aufbringen, um sich gegen die automatisierte Gewohnheit zu wehren. 

In Bezug auf die Klimakrise wäre das z.B statt wie seit Jahren die Äpfel mit der Plastikverpackung, die ohne zu kaufen oder extremer: statt mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen, den Zug zu nehmen. Selbst wenn wir über unsere Alternativen bescheid wissen, macht es unserem Gehirn Unbehagen sich anders zu entscheiden. 

Wie hängt das nun mit der aktuellen Corona Situation zusammen? Wir werden nun gezwungen aus unseren Gewohnheiten auszubrechen. Flüge werden gestrichen, Schulen und Büros geschlossen und in vielen Ländern herrscht eine generelle Ausgangssperre… Vor allem genau dieser Ausbruch aus den Gewohnheiten macht uns Unbehagen, wir bekommen Angst und werden unsicher. Dabei können wir diesen Gewohnheitsbruch nutzen um neue Routinen zu etablieren, neue neuronale Netzwerke zu verknüpfen. Dies würde nicht nur der Umwelt gut tun (so wie wir jetzt ja schon sehen bsp. Delfine kommen zurück in die Häfen) sondern ist auch dringend notwendig für unsere psychische und seelische Gesundheit. 

Diese „Zwangspause“ zwingt uns nämlich nicht nur aus unseren Alltagsgewohnheiten auszubrechen, sondern wir werden auch mit uns selbst konfrontiert. Eine Konfrontation die vielen wahrscheinlich mehr Angst macht, als der Corona Virus selbst. Unsere Gesellschaft neigt dazu immer mehr zu arbeiten, zu funktionieren und am Besten die eigenen Gefühle auszuschalten. Wir flüchten uns in unsere Gewohnheiten und lenken uns mit immer neuen Aufgaben ab. Wir wollen nicht zur Ruhe kommen… denn wenn wir still werden, würden wir ja fühlen müssen… und wenn wir fühlen, könnten ja unangenehme, verdrängte Dinge in uns hoch kommen. Verletzungen, Ängste, Erinnerungen… 

Was aber viele nicht wissen: selbst wenn wir unsere Gefühle unterdrücken, unsere Verletzungen vergraben und unsere Ängste verdrängen, sie haben trotzdem eine Wirkung auf uns! Sie beeinflussen unser Handeln, genauso wie unsere Wahrnehmung. Sie steuern unsere Gedanken, unsere Glaubenssysteme und unsere Gefühle. Ohne dass wir es bewusst merken, prägen sie unser Leben auf verschiedenen Ebenen. Deshalb ist diese „Zwangspause“ auch eine Chance um, statt vor der Konfrontation weg zu laufen, auf sie zu zu gehen. Zur Ruhe zu kommen und einfach mal alle Ängste und Verletzungen zu fühlen, sie dankend willkommen zu heißen. Denn wenn wir ihnen begegnen, verlieren sie ihre unsichtbare Macht über uns. Wir haben die Chance uns neu kennen zu lernen, wieder unser Inneres zu fühlen und vielleicht ja sogar die ein oder andere Angst aufzulösen. Wir haben die Chance als neuer Mensch aus der Krise hervor zu gehen und vielleicht sogar als neue Menschheit.

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